Flüchtlinge im Baubetrieb beschäftigen:

Was ist zu beachten?

Fragt man in den Baufirmen nach, herrscht in Sachen „Willkommenskultur“ für Arbeitskräfte kein Defizit. Angesichts offener Lehrstellen und unbesetzter Positionen wird offensichtlich, welche Chancen Zuwanderung gerade für die Zukunft am Bau bietet.

Auf der Flucht vor Krieg und persönlichem Leid ist es wichtig, eine Perspektive zu bekommen. „Arbeit ist die beste Form der Integration“, betonte auch Frank-Jürgen Weise in seiner Funktion als Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA) in einem Interview. Doch was ist bei der Beschäftigung von Menschen zu beachten, die von außerhalb der EU kommen? Wo liegen eventuelle Stolpersteine?


Die Beschäftigung im Baubetrieb schafft Perspektiven und fördert die Integration - Registrierte Asylbewerber können nach drei Monaten eine Beschäftigung annehmen oder eine Ausbildung beginnen.

Arbeit nach drei Monaten möglich

Prinzipiell gilt: Nach drei Monaten in Deutschland können registrierte Asylsuchende eine Beschäftigung oder ein Ausbildungsverhältnis aufnehmen, sofern es für die zu besetzenden Stellen keine so genannten bevorrechtigten Arbeitnehmer gibt. Als bevorrechtigt gelten Personen aus Deutschland und der EU sowie bereits anerkannte Asylbewerber.

Für die Prüfung der Bevorrechtigung gibt es zahlreiche Ausnahmen. Unter anderem entfällt sie, wenn sich der Bewerber mindestens 15 Monate ununterbrochen erlaubt, geduldet oder mit Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland aufhält. Auch eine im Herkunftsland abgeschlossene Ausbildung kann das Verfahren zur Aufnahme einer Beschäftigung erleichtern.  

Stichwort Ausbildung: Nach neuester Gesetzeslage vom 1.8.2015 dürfen Flüchtlinge, die vor dem Erreichen des 21. Lebensjahres eine Ausbildung in Deutschland begonnen haben, diese auch zu Ende führen – unabhängig davon, wie ihr Asylantrag beschieden wird. Dies schafft Perspektive und Planungssicherheit sowohl für die Jugendlichen als auch für die Betriebe.

Weitere Einzelheiten zur Beschäftigung von geflüchteten Menschen sind in der Broschüre der Bundesagentur für Arbeit zusammengefasst.

Broschüre Potenziale nutzen – geflüchtete Menschen beschäftigen (Herausgeber: Bundesagentur für Arbeit)  


Meldepflichten für ausländische Beschäftigte im Überblick (Abbildung vergrößern)

Sozialversicherung, Krankenkasse & Co.

Grundsätzlich gelten für alle Beschäftigte im Baubetrieb die gleichen Melde- und Beitragspflichten. Sowohl bei der Sozialversicherung als auch bei Lohnsteuer und Beiträgen für die SOKA-Bau sind beschäftigte Asylbewerber mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland oder der EU meistens gleichgestellt.

Ebenfalls gleich sind der Urlaubsanspruch und auch der zwischen den Tarifpartnern der Bauwirtschaft vereinbarte Mindestlohn.


Förderleistungen für Arbeitgeber

Hinweis: Die folgende Aufstellung erhebt nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Es werden beispielhaft einige Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber dargestellt. 

Zuschuss zur Beschäftigung von Flüchtlingen bei Vermittlungshemmnissen (z.B. fehlende Berufserfahrung)

  • Höhe max. 50% des berücksichtigungsfähigen Arbeitsentgeltes
  • Dauer max. 1 Jahr
  • Weiterbeschäftigung nach Ende der Förderung min. 12 Monate

Sonstige Förderungen 

  • Kostenübernahme für Anerkennungsverfahren der Berufsbildung z.B. Studium, Berufsausbildung
  • Kostenübernahme für berufsbezogene Sprachförderung  
  • Andere ausbildungsbegleitende Hilfen z.B. zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten sowie zur Förderung fachpraktischer und fachtheoretischer Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. 

Weitere Informationen zu Zuschüssen und Förderleistungen gibt es bei den regionalen Jobcentern der Bundesagentur für Arbeit sowie von verschiedenen Initiativen wie beispielsweise dem Europäischen Sozialfonds für Deutschland (www.esf.de).

Broschüre Eingliederungszuschuss 

      (Herausgeber: Bundesagentur für Arbeit)

Broschüre Brücke in die Berufsausbildung/Einstiegsqualifizierung

      (Herausgeber: Bundesagentur für Arbeit) 

Förderrichtlinie für das Bundesprogramm STAFFEL (Quelle: Bundesanzeiger)  

 

 

Hintergrund


Bleibeberechtigungen für
Flüchtlinge, Asylbewerber, Geduldete

  • Asylsuchende mit Aufenthaltsgestattung 
    In der Phase der Prüfung ihres Erstantrags erhalten Asylbewerber eine Aufenthaltsgestattung zur Bescheinigung der Durchführung des Asylverfahrens  

  • Anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis 
    Endet das Verfahren mit der Asylanerkennung, mit der Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft oder Gewährung subsidiären Schutzes erzeugt der Anerkennungsbescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ein gesetzliches Aufenthaltsrecht.  

  • Geduldete mit Abschiebungsverbot
    Endet das Asylverfahren allein mit der Feststellung eines nationalen Abschiebungsverbots wird im Regelfall durch die örtliche Ausländerbehörde ebenfalls eine Aufenthaltserlaubnis erteilt

Weitere Informationen:

Zugang zum Arbeitsmarkt für geflüchtete Menschen (BAMF) 
Asylrecht und Flüchtlingsschutz (BAMF)
 


Weiterführende Informationen

Zur weiteren Vertiefung des Themas Beschäftigung von ausländischen Mitarbeitern im Baubetrieb bietet BRZ verschiedene Fachseminare und Webinare an:  

BRZ-Webinar Ausländische Mitarbeiter als Chance für den Baubetrieb  
BRZ-Fachseminar Baulohn Aktuelle Änderungen
(Weitere Veranstaltungen sind in Vorbereitung. Den immer aktuellen Überblick bietet der Online-Terminkalender.)